Warum braucht man als werdende Mama eigentlich eine Hebamme? Was sind die Aufgaben von Hebammen und was macht sie so besonders? Finde ich überhaupt eine Hebamme oder sind die so rar wie Kita-Plätze?

Eventuell hast Du Dir bisher keinerlei Gedanken über Hebammen gemacht. Warum auch? Wenn man nicht schwanger ist, besteht dazu auch selten Veranlassung. In den nächsten Monaten und spätestens bei der Geburt aber wirst Du vermutlich feststellen, dass Hebammen einen irrsinnig wichtigen Job machen. Ohne sie geht gar nichts. Wenn Du keinen Kaiserschnitt bekommst, wirst Du während der Geburt höchstwahrscheinlich fast ausschließlich mit ihnen zu tun haben. Ärzte sieht man dabei eher selten. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Warum braucht man eigentlich eine Hebamme?

Fakt ist: Hebammen sind Gold wert und werden in dieser Gesellschaft viel zu wenig geschätzt. Sie kannst Du während der nächsten Monate mit allen Fragen löchern, die Dir so durch den Kopf schießen, die diese Seite Dir vielleicht nicht beantworten und die Du einem Arzt wohlmöglich nicht stellen möchtest. Sie können sich außerdem die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen mit Deinem Gynäkologen teilen. Das kann spätestens gegen Ende der Schwangerschaft hin durchaus Sinn machen, wenn Deine Hebamme ihre Praxis etwa näher an Deinem Wohnort hat. Die Vorsorge findet ab der 32. Schwangerschaftswoche nämlich in deutlich kürzeren Abständen, etwa alle 14 Tage, statt. Du kannst Dir in Ruhe überlegen, was für Dich praktischer ist.

Warum ich meine Hebamme geliebt habe

Mein persönliches Gefühl: Die Hebamme hat sich für mich deutlich mehr Zeit genommen. Bei ihr konnte zwar kein Ultraschall durchgeführt werden aber auch sie konnte mich an den Wehenschreiber hängen, meinen Muttermund checken und die Lage des Baby ertasten. Außerdem hat auch sie meinen Urin geprüft und mir ab und an Blut abgenommen. Anstatt der 15 Minuten im Behandlungszimmer meines Arztes und der zwei Stunden im Wartezimmer habe ich dann eben eine Stunde bei meiner Hebamme verbracht und sie mit den absurdesten Fragen bombardiert. Hebammen sind oft schnell greifbar. Im Idealfall kriegst Du ihre Handynummer und kannst ihr unbürokratisch und flott Deine Fragen schreiben oder sie einfach anrufen. Das ist ein wahrer Segen, wenn Du beispielsweise plötzlich erkältet bist aber nicht weißt, ob Du diesen einen Erkältungstee jetzt trinken darfst. Oder wenn das Baby Dir mal wieder so stark auf die Blase drückt, dass Du die Luft anhalten musst. Eine gute Hebamme weiß fast immer Rat. Und wenn nicht, dann versteht sie sich exzellent darin Dich soweit zu beruhigen, dass Dir die Antwort auf Deine Frage auch egal ist.

Unterschiede bei den Hebammen

Übrigens gibt es zwei Arten von Hebammen: Solche, die bei Dir die Vorsorge machen sowie Dich im Wochenbett betreuen und die Beleghebammen. Letztere ist freiberuflich tätig oder im Krankenhaus angestellt und begleitet Dich nur während der Entbindung. Manchmal hast Du Glück und erwischt eine Hebamme, die alles in sich vereint. Der Regelfall sieht aber so aus, dass Deine Hebamme Dich vor und nach der Geburt betreut und Du im Krankenhaus eine bzw. mehrere Beleghebammen um Dich hast. Je nachdem wie lang Du in den Wehen liegst, kannst Du einige Beleghebammen kennenlernen. Bei mir waren es so viele, dass ich mir gar nicht alle Namen merken konnte. Aber eines waren alle: wahnsinnig fürsorglich und kompetent.

Buchtipp:

„Die Wehenschreiberin: Geschichten aus dem Kreißsaal“ von Maja Böhler.

Maja Böhler ist Hebamme und Kolumnistin beim SZ-Magazin. In schöner Regelmäßigkeit hat sie dort mal zum Brüllen komisch, mal tragisch, meistens beruhigend aber auf jeden Falls immer hochgradig interessant aus ihrem Berufsalltag erzählt. Jetzt gibt es das Ganze in Buchform. Es handelt sich hierbei definitiv nicht um einen klassischen Ratgeber für werdende Mütter aber wer mal schmunzeln möchte, ist hier genau richtig.

  • Was machen Hebammen eigentlich genau?

    Hebammen sind im Idealfall wie gute Freundinnen, die Dir im richtigen Moment einen Tritt in den Hintern geben. Sie beruhigen und bestärken Dich oder machen Dir Mut, wenn bei Dir plötzlich Zweifel an Deiner Tauglichkeit als Mutter aufkommen.

    Sie können je nach Art…

    • die Vorsorgeuntersuchungen durchführen.
    • all Deine Fragen beantworten – egal wie doof sie Dir vorkommen.
    • Deine Betreuung im Wochenbett übernehmen.
    • unterscheiden, ob Du einen normalen „Baby Blues“ hast oder doch eine handfeste postnatale Depression.
    • eventuelle Geburtsverletzungen kontrollieren und falls nötig die Fäden ziehen.
    • bei gesundheitlichen Problemen nach der Geburt beraten.
    • zeigen wie man am besten stillen kann und Dich dabei unterstützen die für Dich und Dein Baby optimalste Position sowie den idealen Rhythmus zu finden.
    • Dir helfen, wenn sich ein Milchstau anbahnt.
    • Dein Baby nach der Geburt regelmäßig wiegen, die Nabelschnur kontrollieren und Dir erklären, wie Du Dein Mäuschen am besten pflegst, anziehst und hältst.
    • Dir erläutern, was bei den ersten Untersuchungen beim Kinderarzt gecheckt wird und Dir Fragen beantworten, wenn die ersten Impfungen anstehen.
    • Dir später erklären, wie man mit Beikost startet, wenn Dein Baby alt genug dafür ist.