Mädchen hält sich die Augen zu und hat Angst

Ängste gibt es wie Sand am Meer: Angst vor dem Zahnarzt. Angst im Dunkeln. Angst vor Spinnen. Es gibt vermutlich so viele verschiedene Ängste wie es Menschen auf dieser Welt gibt. Also so einige. Ab dem Moment, in dem der Schwangerschaftstest „positiv“ anzeigt, kommt oft eine ganze Wagenladung an Sorgen dazu, von denen man nicht mal geahnt hat, dass es sie gibt. Das Ganze multipliziert sich nochmal, wenn das eigene Baby dann erst mal geboren ist. Und nicht nur die Eltern haben Ängste – auch die Kleinen fürchten sich vor teilweise abstrus anmutenden Dingen.

Die Angst hat einen schlechten Ruf, lähmt sie uns doch so oft und lässt uns absurde Dinge tun oder eben nicht tun, die wir doch eigentlich möchten. Dass sie auch eine positive Seite hat, vergisst man oft. Immerhin beschützt sie uns manchmal auch tatsächlich davor Dummheiten zu begehen und uns in Gefahr zu bringen.

Ängste der Eltern

Ab dem Moment, in dem ich erfuhr, dass ich schwanger bin, hatte ich eines wirklich sehr viel: Angst. Richtig blöde, irrationale Ängste aber auch solche, die mir durchaus berechtigt vorkamen. Angst davor, dass ich als Mutter versagen würde. Angst, dass meine Partnerschaft mögilcherweise zwar großartig aber nicht für das Elternsein geeignet wäre. Angst, dass ich am Schluss alleine dastehen würde. Angst, dass ich das alles nicht schaffen würde, weil ich doch so viel Zeit für mich brauchte. Angst, dass ich nicht stark genug sein könnte, um ein Kind großzuziehen. Angst, dass während der Schwangerschaft etwas schiefgehen könnte. Und schlussendlich: Überwältigende Angst vor all der Liebe, die ich plötzlich für diesen kleinen Menschen in meinem Bauch empfand, den ich noch nicht mal wirklich kannte.

In ständiger Sorge um den Nachwuchs

Vor Jahren hatte ich mal gelesen, dass ein Kind großzuziehen sich anfühlt als würde man plötzlich ohne sein Herz rumlaufen. Das Herz befindet sich mit einem Mal außerhalb des eigenen Körpers und man ist in ständiger Panik, dass ihm etwas passieren könnte. Ich hatte das damals belächelt und als übertrieben eingestuft. Heute weiß ich: Mein Herz ist zwar defintiv noch in meiner Brust aber es ist immens gewachsen und tatsächlich permanent etwas besorgt. Ein Umstand, den ich nach wie vor extrem blöd finde. Ich möchte der Welt da draußen vertrauen. Darauf, dass meine Kleine es gut haben und dass das Leben nett zu ihr sein wird. Dass sie bis ins hohe Alter glücklich, gesund, geborgen und voller Freude ist. Leider bin ich nicht immer so zuversichtlich. Artikel über Gewalt an Kindern kann ich schon lange nicht mehr lesen. Der Klimawandel beunruhigt mich noch mehr, seit ich Mutter bin. Nicht wegen mir, sondern wegen meiner Tochter. Ich will keine Angst haben aber vermutlich gehört sie zum Elternsein dazu.

Versagensängste: Von schlechten Müttern und Vätern

Eine der beliebtesten elterlichen Ängste ist die, keine gute Mutter oder kein guter Vater zu sein, Fehler zu machen und das Kind zu verkorksen. Ganz ehrlich: Wir alle werden einen Haufen Fehler machen. Permanent. Es lässt sich nahezu nicht vermeiden auch mal etwas falsch zu machen. Niemand kann 24 Stunden am Tag perfekt sein. Und überhaupt: Perfektion ist für jeden etwas anderes. Wie oft tut man etwas in der besten Absicht und merkt hinterher „Hoppla, mein Gegenüber wollte das ja gar nicht“?

Fakt ist, dass wir unseren Kindern mehr als einmal unseren Willen aufdrücken werden, ob wir wollen oder nicht. Spätestens wenn es an das Zähne putzen geht oder den nächsten Windelwechsel. Beides ist in einem gewissen Alter eine echte Herausforderung. Dabei ist selbst der geduldigste Mensch irgendwann gereizt. Wenn es ganz dicke kommt und man den ganzen Tag schon zig solcher kleiner Kämpfe hinter sich hatte, blafft man das Kind dann schon mal an. Und ja, hinterher schämt man sich dann meistens.

Warum Versagensängste meist Humbug sind

In meinem Fall habe ich angefangen zu heulen und mich zehn Minuten ausgiebig gehasst. Dabei hatte ich nur meine Stimme erhoben und sehr streng „Jetzt reicht’s. Entweder ich darf Dich jetzt wickeln oder Du bleibst eben nackig. Dann frierst Du aber halt. Mama ist jetzt ein bisschen genervt.“ gesagt. Begleitet habe ich meine Worte damit meine erstaunte, 15 Monate alte Tochter kurzerhand in ihr Bettchen zu setzen, um kurz in der Küche besagte zehn Minuten zu schluchzen. In dem Moment war ich sicher eine katastrophale Mutter zu sein und mein liebstes Lieblingskind für ihr gesamtes Leben unglücklich gemacht zu haben. Totaler Unsinn. Nachdem ich meine Kleine wieder aus dem Bett geholt hatte, sah sie mich kurz schräg an, war dann aber ausgesprochen kooperativ beim Windelwechsel. Unsere Beziehung hat das Ereignis augenscheinlich nicht sonderlich belastet.

Nobody is perfect

Was ich damit sagen möchte: Es ist völlig normal, wenn man nicht immer perfekt ist. Niemand, selbst die Leute, die Elternratgeber schreiben, sind das 24 Stunden sieben Tage die Woche. Also entspannen wir uns. Wir dürfen Fehler machen. Wir dürfen mal ungeduldig sein, keine Lust zum Spielen haben, genervt sein oder nicht so reagieren, wie es besagte Elternratgeber empfehlen. Unsere Kinder werden uns deshalb nicht gleich hassen. Unsere Beziehung zu ihnen wird nicht zerbrechen, weil wir nicht zum zehnten Mal dem Kuscheltier den zu klein gewordenen Schlafanzug unseres Sprösslings an- und wieder ausziehen wollen. Alles ist gut. Unsere Kinder profitieren eher von uns, wenn wir uns nicht noch zusätzlich den Stress machen 24/7 perfekt sein zu wollen. Lassen wir unsere Versagensängste los, sind wir nämlich deutlich entspannter. Also: Ja, wir werden manchmal versagen aber das ist völlig okay.

Kindliche Ängste

Seit kurzem hat unsere Tochter Angst, wenn wir etwa beim Betten beziehen die Matratze hochheben, um das Laken ab- oder wieder ranzumachen. Sie fängt dan fürchterlich an zu weinen und will nicht, dass wir uns der Matratze nähern. Wir haben keinen blassen Schimmer woher diese Angst kommt. Soweit wir wissen, ist nie etwas im Zusammenhang mit dem Bett passiert, was ihre Reaktion erklären könnte. Das Gleiche geschieht, wenn wir den Keller betreten. Solange wir mit ihr in den Kellergängen sind, ist alles in Ordnung aber sobald einer von uns den kleinen Kellerverschlag betreten, fließen Tränen und sie streckt panisch die Arme nach einem aus. Erst wenn wir den Verschlag verlassen haben, ist es wieder okay.

Der Umgang mit irrationalen Ängsten

Warum ich das erzähle? Weil es oft keine logische Erklärung für kindliche Ängste gibt. Sie mögen uns vollkommen absurd und unberechtigt vorkommen aber das sind Ängste ja bekanntlich oft. Das Verkehrteste, was man machen kann (sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen), ist in so einer Situation zu sagen „Stell dich nicht so an!“. Auch wenn es augenscheinlich keinen wirklichen Grund für die Angst gibt, ist sie trotzdem da und in dem Moment für den kleinen Menschen komplett real. Vieles verstehen die Minis noch nicht. Was fremd ist, macht oft Angst. Meist gewöhnen sie sich mit der Zeit dran. Es hilft in solchen Momenten ruhig zu bleiben und dem Kind zu zeigen, dass nichts Schlimmes passiert. Beim Betten beziehen lächle ich unsere Tochter jetzt also immer an, erzähle munter weiter, mache Witzchen und versuche ihr zu vermitteln, dass alles normal ist. Dass keine Gefahr droht.

Gerade nach Entwicklungsschüben reagierten Kinder oft plötzlich ängstlich bei Dingen, die sie vorher gar nicht gestört haben. Schlichtweg deswegen, weil ihre Wahrnehmung nach jedem Schub eine andere ist. Es kann also durchaus sein, dass unsere Tochter das bedrohlich wirkende Matratzenmonster bislang einfach gar nicht gesehen hat. Jetzt sieht sie es und findet es nun gruselig.

Das Fazit

Long story short: Sich über die Ängste der Kleinen lustig zu machen oder verärgert zu reagieren, weil es albern ist sich etwa vor Matratzen zu fürchten, ist nicht  unbedingt zielführend. Wir hätten es als Kinder auch nicht so prall gefunden, wenn unsere Eltern uns ausgelacht oder mit uns geschimpft hätten, weil wir vor irgendetwas Angst hatten. Auch wenn wir es absurd finden, hilft eine Umarmung und gezeigte Normalität eher. Oder Erklärungen. Oder einfach all das, was uns Erwachsenen in solchen Situationen auch hilft.

Und was machen wir Erwachsene mit unseren Ängsten?

Wie aber können wir lernen mit der diffusen Angst umzugehen, die uns schlaflose Nächte bereitet, weil wir darüber nachdenken, was unserem Nachwuchs alles Schlimmes wiederfahren könnte? Eine Pauschallösung gibt es auch hier leider nicht. Aber einige nützliche Tipps. Ein paar davon findet Ihr im Folgenden:

Buch-/Linktipp:

Der Klassiker der kindlichen Entwicklungsliteratur: „Oje, ich wachse!“ von Dr. Hetty van de Rijt und Dr. Frans X. Plooij. Hier werden seltsame Ängste von Kindern nach Entwicklungsschüben gut erklärt. Aber auch die Website „Baby und Familie“ liefert nützliche Hinweise dazu, wie man mit den Ängsten beim Nachwuchs umgehen kann.